Jede Unternehmensnachfolge ist einzigartig, oder sollte es zumindest sein. Die richtige Nachfolge ist individuell auf jede InhaberIn, auf jeden Betrieb, auf die jeweilige Situation zugeschnitten. Die optimale Unternehmensnachfolge gibt es nicht von der Stange. Die Entscheidung ob, wann und an wen ein Betrieb übergeben wird, ist immer tiefgreifend und persönlich. Viele UnternehmerInnen zögern die Entscheidung heraus, manchmal zu einem hohen Preis.
Fragt man Betroffene, was für sie bei der Unternehmensnachfolge wichtig ist, hört man häufig, dass sie steuerlich oder rechtlich optimiert sein soll. Da eine Unternehmensnachfolge aber vier wesentliche Bestandteile hat, trifft man dann schon auf den ersten Stolperstein. Optimiert nach allen Seiten gibt es nicht. Richtig und wichtig ist aber, dass sowohl die steuerlichen, rechtlichen und betriebswirtschaftlichen Seiten Berücksichtigung finden. Aber was ist mit Ihnen? Sind Sie, Ihre Familie, MitarbeiterInnen und KundInnen nicht der wichtigste Teil an dem Vorhaben? Sollte nicht alles nach Ihren Bedürfnissen ausgerichtet sein? Stellen Sie sich in den Mittelpunkt und überlegen Sie, was für Sie selbst wichtig ist. Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl. Für alles Weitere finden sich dann die passenden Lösungen.
Der richtige Zeitpunkt
Den richtigen Zeitpunkt für die Übergabe bestimmen Unternehmer im Allgemeinen selbst. Zu beachten ist allerdings, dass es hinsichtlich der richtigen Nachfolge und der jeweiligen betrieblichen Situation aus verschiedensten Gründen zu Verzögerungen kommen kann. Die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt für die ersten Gedanken an eine Betriebsübergabe ist also mit „so früh wie möglich“ zu beantworten. Statistisch gesehen werden für eine erfolgreiche Betriebsübergabe durchschnittlich drei bis sieben Jahre benötigt, im Idealfall sind es drei bis fünf Jahre.
Erster Schritt jeder Veränderung ist immer die Ermittlung des Ziels, denn wenn Sie Ihr Ziel nicht genau kennen, kommen Sie dort niemals an. Also formulieren Sie ihr Ziel möglichst detailliert und erstellen Sie einen Fahrplan. Machen Sie eine Aufstellung mit den zu erledigenden Aufgaben und terminieren Sie diese. Hierdurch sehen Sie Meilensteine, an denen Sie sich orientieren können.
Die passende Nachfolge – und wo sie zu finden ist
Wie stellen Sie sich Ihre NachfolgerIn vor? Welche fachlichen und persönlichen Kompetenzen sollte sie haben? Haben Sie konkrete Vorstellungen? Gut, aber suchen Sie keinen Klon, denn den werden Sie nicht finden. Natürlich müssen die erforderlichen Voraussetzungen für eine Selbständigkeit gegeben sein, dennoch wird Ihre NachfolgerIn den Betrieb voraussichtlich nicht genauso weiterführen, wie Sie es über viele Jahre getan haben. Geschehen diese Veränderungen mit Augenmaß, wird dies sogar Vorteile haben. Anforderungen und Ansprüche verändern sich mit der Zeit.
Gibt es ein Familienmitglied, dass für die Betriebsübernahme in Frage kommt? Dann führen Sie rechtzeitig ein möglichst neutrales Gespräch und klären, ob Interesse besteht. Betriebsübernahmen aus Pflichtgefühl oder Zwang sind oft nicht von langer Dauer, das ist für beide Parteien nicht zufriedenstellend. Und ganz wichtig: Achten Sie auf Ihre Kommunikation und die aufkommenden Emotionen. Es ist wichtig,all diese zuzulassen, sonst werden daraus mitunter Konflikte, die vor einer erfolgreichen Übergabe bearbeitet werden müssen.
Sie haben eine MitarbeiterIn, die als NachfolgerIn in Frage kommt? Prima. Bauen Sie dieses Potenzial aus, fördern Sie es. Eine Betriebsübergabe an eine MitarbeiterIn verläuft in den meisten Fällen ohne große Reibereien. Die MitarbeiterIn kennt Sie, die KollegInnen, die KundInnen sowie die Abläufe im Betrieb und auch Sie kennen die MitarbeiterIn. Dennoch sind Sie nicht so eng verbunden wie mit einem Familienmitglied.
Haben Sie keine geeignete NachfolgerIn im Familien- oder Mitarbeiterkreis? Überlegen Sie sich, wo und wie potenzielle NachfolgerInnen zu finden sind. Hier können ehemalige MitarbeiterInnen, Innungen, Meister- und Fachschulen, Kollegenbetriebe, Betriebsbörsen usw. befragt werden. Bleiben Sie hier am Ball, je mehr Sie sich selbst einsetzen, um so größer ist die Chance, geeignete KandidatInnen zu finden.
Was, wenn es Schwierigkeiten gibt?
Die häufigsten Schwierigkeiten in Übergabeprozessen lassen sich auf mangelnde oder fehlerhafte Kommunikation zurückführen. Gerade bei familieninternen Betriebsübergaben sind kommunikationsbedingte Schwierigkeiten keine Seltenheit. In vielen Familienbetrieben ist der Betrieb Mittelpunkt vieler auch innerfamiliärer Gespräche. Hier kann es zu Missverständnissen und Konflikten kommen, an denen eine Betriebsübergabe sogar scheitern kann. Um dem entgegenzuwirken, achten Sie auf eine gute und umfangreiche Kommunikation, und wenn die Fronten bereits verhärtet erscheinen,nehmen sie sich eine Mediator bzw. eine Mediatorin zur Hilfe. In gemeinsamen Gesprächen sorgen MediatorInnen dafür, dass alle Parteien in einem geschützten Rahmen zu Wort kommen und Ihre Sicht auf die Dinge schildern können. Ziel einer Mediation ist es, dass die Konfliktparteien gemeinsam Lösungsansätze für ihre Konflikte finden und zukünftig wieder gemeinsam gut zusammenarbeiten können.
Wie wichtig ist externe Hilfe?
Tauschen Sie sich mit anderen Betroffenen aus,holen Sie sich Unterstützung. Die Betriebsübergabe ist nicht Ihr Tagesgeschäft, sondern eine Ausnahmesituation. Lassen Sie sich in allen Bereichen umfänglich beraten. „Nicht das, was du nicht weißt, bringt dich in Schwierigkeiten,sondern das, was du sicher zu wissen glaubst,obwohl es gar nicht wahr ist.“ (Mark Twain). Und Beratung gibt es nicht immer kostenfrei, aber Prozessfehler können im Nachhinein erheblich höhere Kosten nach sich ziehen.
Autorin: Bettina Otte-Kotulla
Unternehmensnachfolge nach Maß

