Rahmentüren

Risse und Anstrichschäden

pixabay- Tür

Wer kennt das nicht, ein Altbau wird vollständig renoviert und modernisiert, wobei die prächtigen Rahmentüren, aufgrund ihres unbestrittenen Charmes, wieder verwendet werden sollen. Während der Bauzeit erhalten diese Türen oft wenig Aufmerksamkeit. Sie werden möglicherweise sogar in einem ungeheizten Teil des Gebäudes gelagert und erst kurz vor dem Einzug , im Rahmen der Malerarbeiten, einer neuen Beschichtung unterzogen. Trotz gewissenhafter Ausführung des Malers treten jedoch nach wenigen Monaten Reklamationen seitens des Kunden aufgrund unansehnlicher Rissbildungen und möglichweise sogar vermeintlich unbeschichteter Ränder im Bereich der Füllungen auf.

Die Ursache dieser Schäden ist eigentlich recht einfach: Holz ,,arbeitet´´. Diese natürliche Erscheinung von Quellen und Schwinden ist eine direkte Folge von Feuchtigkeitsänderungen im Holz. Als hygroskopisches Material passt sich Holz kontinuierlich der Materialfeuchte seiner Umgebung an, die von Faktoren wie Temperatur und relativer Luftfeuchtigkeit bestimmt wird. Nach dem Einbau in das Bauprojekt erreicht das Holz allmählich einen Feuchtigkeitsgehalt, der dem Umgebungsklima entspricht - die sogenannte Ausgleichsfeuchte. Wird das Gebäude während der Renovierung nicht ausreichend beheizt oder durch Baumaßnahmen wie Mauer-, Putz- und Estricharbeiten zusätzliche Feuchtigkeit aufgenommen, erhöht sich zwangsläufig der Feuchtigkeitsgehalt im Holz aufgrund der neuen Umgebungsbedingungen. Dies führt zu einer Volumenzunahme, das Holz quillt. Bei späterer Trocknung erfolgt dann eine Volumenminderung, das Holz schwindet. Anstriche können diesen Vorgang zwar bremsen und teilweise regulieren, aber nicht vollständig verhindern.

Die Veränderungen der Abmessungen ist ein charakteristisches Merkmal für alle Holzarten, wenn sich ihr Feuchtigkeitsgehalt im hygroskopischen Bereich Bereich, also unter ca. 30% Holzfeuchte, ändert. In diesem Bereich dringt bei Wasseraufnahme Wasser in die Zwischenräume der Zellwände ein und drückt die Strukturelemente auseinander. Die Anisotropie des Holzes, also sein unterschiedliches Verhaltenin in den drei anatomischen Hauptrichtungen, führt dazu, dass das Quell- und Schwindverhalten in drei Richtungen definiert wird: in Faserrichtung (longitudinal), Jahresricgrichtung (tangential) und Markstrahlrichtung (radial). Holz quillt und schwindet in radialer Richtung etwa zehnmal und in tangentialer Richtung etwas siebzehnmal so stark wie in longitudinaler Richtung.

Im Folgenden soll verdeutlicht werden, welches konkrete Ausmaß eine praxisrelevante Veränderung des Feuchtigkeitsgehalts auf eine Rahmentür haben kann.

Eine Türfüllung aus Kiefernholz mit einer ursprünglichen Breite von 60 cm und einem Feuchtigkeitsgehalt von 18 % trocknet auf 12 % herunter. Die Feuchtigkeitsänderung beträgt daher 6 %. Für Kiefernholz liegt die mittlere Schwundzahl (radial und tangential) bei 0,28 %. Dadurchergibt sich ein Schwindmaß von 6 % * 0,28 % = 1,68 %. Das bedeutet eine Verringerung der Breite um etwa 10 mm. Folglich beträgt die Breite der Türfüllung nach dem Trocknen nur noch etwa 59 cm.

Dieses Beispiel verdeutlicht, weshalb Rahmentüren erst nach dem Erreichen der für die spätere Nutzung üblichen Ausgleichsfeuchte beschichtet werden sollten. Diese liegt bei Hölzern in geschlossenen Bauwerken mit Heizungen typischerweise ca. zwischen sechs und zwölf Prozent. Zusätzlich sollte die Erstbeschichtung von Vollholzfüllungen vor dem Einbau erfolgen, um sicherzustellen, dass nach eventuellem Füllungsschwund keine unbehandelten Streifen an den Kanten sichtbar werden. Leider ist diese Möglichkeit bei einem Überholungsanstrich nicht mehr gegeben.

Es ist bedauerlicherweise eine Tatsache, dass längen- und volumenänderungsbedingte Risse sowie kleinere Lackschäden in Rahmentüren selbst dann auftreten können, wenn sie die Ausgleichsfeuchte erreicht haben und durch eine sach- und fachgerechte Beschichtung durch den Maler behandelt wurden. Im Übergangsbereich zwischen Füllung und Rahmen sind Beschichtungsstoffe nicht in der Lage, die Bewegungen der frei beweglichenFüllungsbretter aufzunehmen. Aus diesem Grund ist es äußerst wichtig, dass die Füllungen keinesfalls verleimt oder durch Beschichtungen verklebt werden, da gerade die ungehinderte Beweglichkeit der Füllungen dazu beiträgt, dass sich die Türen weder verziehen noch vööig unkontrolliert reißen.

Es wird problematisch, wenn die Füllungsbretteranschlüsse mit einem spritzbaren Dichtstoff, wie beispielsweise Acrylkitt, versehen und anschließend überlackiert werden. Aufgrund der zu erwartenden mechanischen Beanspruchung  des Dichtstoffs ist eine dauerhafte ,,elastische´´ Abdichtung erfahruungsgemäß nicht gewährleistet. Zudem kann es selbst bei einer technisch einwandfreien und möglicherweise sogar dauerhaftenVersiegelung der Anschlüsse während der Beschichtung zu ästhetischen Problemen wie Rissbildung auf dem Dichtstoff kommen kann.

Autor: Walter Felder