Zukunftssicher mit KI

Es stellt sich auch für Maler- und Lackiererbetriebe die Frage, ob Künstliche Intelligenz (KI) helfen kann, mit den täglichen Herausforderungen besser umzugehen.

In der traditionellen Welt des Handwerks stellt sich auch für immer mehr Maler- und Lackiererbetriebe die Frage, ob Künstliche Intelligenz (KI) überhaupt helfen kann, mit den täglichen Herausforderungen besser umzugehen, gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten.

Künstliche Intelligenz ist nicht die Lösung aller Probleme. Aber sie kann eine Menge dazu beitragen: schnell, sicher, günstig und effektiv. Auch in der Maler- und Lackiererbranche ist dies längst kein Zukunftsthema mehr. Es gibt bereits zahlreiche Anwendungen, die zeigen, wie KI dort wirksam unterstützen kann.

Werfen wir einen Blick auf einige innovative Beispiele jenseits der üblichen Text- und Bildgenerierung mit ChatGPT, Midjourney & co, denn die Möglichkeiten gehen weit darüber hinaus.

Beispiele für den Einsatz von KI

Kundenservice und virtuelle Raumgestaltung


Chatbots können mittlerweile völlig autark ein Kundengespräch auf der Website führen. Fragen beantworten und Tipps geben, da sie Zugriff auf einen großen Fundus an Fachwissen erhalten. Und wenn dann doch die Meinung des Fachmanns gefragt ist, kann der Bot das Gespräch gleich umleiten oder einen verbindlichen Termin machen. Durch enorme Fortschritte im Verstehen visueller Datenwie Raumplänen kann auf deren Basis sogar ein erstes Angebot erstellt werden.

KI gestützte Tools ermöglichen dabei, die geplante Farbgestaltung eines Raumes vorab zu sehen und verscheidene Farbkombinationen gemeinsam mit dem Kunden auszuprobieren, bevor der erste Pinselstrich gesetzt wird. Sie analysieren Kundenpräferenzen und vorhandene Raumgestaltung und bieten personalisierte Farbvorschläge an, um das Kundenerlebnis zu steigern - ein Prozess, der normalerweise sehr zeitaufwendig ist.

Materialkalkulation und Kostenoptimierung


Eine zeitaufwendige und fehlerkritische Aufgabeim Handwerks ist die präzise Kalkulationvon Material und Kosten. KI-basierte Systeme können durch die Analyse von Aufmaß und Oberflächen den genauen Bedarf an Farbe und Material ebenso wie den personellen Aufwand berechnen und in ein Angebot überführen. Dies minimiert den Materialeinsatz, optimiert die Einkaufsplanung und vereinfacht die Personalplanung.

Das ganze basiert auf Erfahrungswerten aus ähnlichen Projekten und kann sogar Kostentrends und Verfügbarkeiten mit einbeziehen. besonder gut spielen die Lösungen ihre Möglichkeiten aus, wenn eine Umplanung aufgrund von Ausfällen, Lieferschwierigkeiten oder verzögertem Baufortschritt nötig wird, denn die KI kann sehr schnell und zuverlässig komplexe Zusammenhänge und Ressourcen erfassen und arrangieren.

Qualitätssicherung und präventive Instandhaltung


Dank Bildverarbeitung kann KI anlysieren, ob die Farbe gleichmäßig und fehlerfrei aufgetragen wurde oder Muster stimmig und passend kombiniert wurden. Diese automatisierte Oberflächenanalyse ermöglicht eine frühzeitige Erkennung von Schwachstellen und verbessert die Endqualität des Auftrags. Zudem kann KI Vorhersagen darüber treffen, wie lange eine bestimmteBeschichtung halten wird, basierend auf Faktoren wie Umwelteinflüssen, Materialqualität und Auftragsart. Das hilft, präventive Maßnahmen rechtzeitig zu planen oder Probleme frühzeitig zu erkennen, bspw. Schimmelbildung.

Aus- und Weiterbildung


All das bringt natürlich nur etwas, wenn Sie genug und optimal qualifizierte Handwerker haben, die die Arbeiten dann auch perfekt ausführen. Jeder Lehrling muss erst einmal lernen, wie man mit Pinsel oder Spritzpistole umgeht - und auch der Fachmann bleibt nicht stehen.

Dabei unterstützen mittlerweile virtuelle Trainingssimulationen: Maler und Lackierer können mit Virtual-und Mixed Reality-Technologien und KI-gestützen Trainingsmodulen neue Techniken und den Umgang mit Materialienvirtuell erlernen, ohne einen Tropfen teurer Farbe zu verschwenden.


Der Clou ist, dass damit auch völlig neue Möglichkeiten entstehen, wann und wo die Ausbildung stattfindet, denn man ist damit nicht mehr zwingend an feste Zeiten und Räume gebunden, was gerade beim Rekrutierenvon Auszubildenden in infrastrukturschwachen Gebieten enorm helfen kann.

Und gerade in einer Zeit, in der viele Menschen aus aller Welt unseren Arbeitsmarkt bereichern könnten, scheitert es oft an sprachlichenund kulturellen Hürden oder mangelnden Vorkenntnissen. Hier glänzt die generative KI mit ihren Möglichkeiten, Trainingsvideos komplett digital zu erstellen und in andere Sprachen zu übersetzen, in einem Bruchteil üblicher Budgets und Zeit.

Der optimale Weg zur Einführung von KI im Handwerksbetrieb

Bedarfsanalyse und Auswahl geeigneter Anwendungsbereiche

  • Überlegen Sie, in welchen Bereichen KI den größten Mehwert bieten könnte: Kundenkommunikation, Kostenoptimierung oder Ausbildung und Training?
  • Werfen Sie einen Blick auf die Aspekte der alltäglichen Arbeit, die besonders zeitraubend, fehleranfällig oder unrentabel sind. Sehr oft kann künstliche Intelligenz auch in kleineren Anwendungsfällen großen Mehrwert bieten.
  • Eine klar definierte Zielsetzung hilft, den Einsatz zu steuern und zu bewerten.
  • Sehen Sie sich an, wo Sie bereits auf gute Daten zurückgreifen können und wo gar keine Informationen in digitaler Form vorliegen. Denn ausreichen valide Daten sind die Grundlage einer guten KI-Lösung. Stecken Sie aber andererseits den Kopf nicht in den Sand, wenn auf den ersten Blick nahezu keine verwertbaren daten vorhanden sind: Durch Digitalisierung von Papierdokumenten , Zugriff auf Wissensdatenbanken und Blogs bis hin zur Generierung synthetischer Daten ist viel mehr möglich, als Sie vielleicht denken.

Inspiration, Schulung und Mitarbeitereinbindung

  • Es ist wichtig, dass sich alle Kolleginnen und Kollegen mit den neuen Technologien vertraut machen. Durch die richtigen Impulse und spielerisches Ausprobieren wird der Einstieg in die KI-Welt  greifbarer und Neugier statt Angst geweckt. Und mit Neugier wirken Schulungen und Weiterbildungen gar nicht mehr wie Arbeit, aber sie wirken. Vor allem, wenn man zusätzlich Möglichkeiten zum Experimentieren und Austausch untereinander schafft. Legen Sie Leitlinien für den Umgang mit den digitalen Tools und den wichtigsten Do`s and Dont´s fest, damit alle wissen. wie sie KI verantwortungsbewusst nutzen können. Zugleich stellen Sie als Unternehmen sicher, dass Sie die Vorgaben und Regularien der Gesetzgeber, vor allem hinsichtlich Datenschutz und Datensicherheit, kennen und umsetzen.

Schrittweise Integration und Evaluation

  • Die Implementierungkann in kleinen Schritten erfolgen. Neue Werkzeuge können zunächst in ausgewählten Projekten als Prototypen getestet und optimiert werden.
  • Dabei lernen Ihre Mitarbeiter nicht nur die Möglichkeiten und Grenzen der KI kennen, sondern auch, wie sie ihre eigene Zukunft gestalten können statt vor vollendete Tatsachen gesetzt zu werden. Das ist eine entscheidende Voraussetzung, um die Veränderungen, die auf jeden Fallund eher früher als später auch im Handwerksbetrieb Einzug halten, aktiv anzugehen und als Arbeitgeber nicht nur attraktiv, sondern auch verlässlich zu sein.

Autoren: Ralf Neugebauer und Lutz Vespermann, Unusual Thinkers